Bericht der Waldorfschule Erivan

Stand Herbst 2009

Aktuelles

Der heutige Stand der Dinge

Die “Aregnasan” Bildungsstätte ist heute eine staatlich anerkannte, lizensierte, private Schule, die mit der Regierung im Jahre 2008 einen 30-järigen Vertrag über die Miete der Räume der ehemaligen staatlichen Schule N30 abgeschlossen hat. Mit der Zeit konnten wir zu diesen Räumen auch den Sportsaal und noch einige Unterrichtsräume hinzufügen.

Die offenen Angriffe auf unsere Schule sind im Moment eingestellt, die inneren unterschwelligen feindlichen Prozesse haben sich zur Zeit aber relativ beruhigt. Immerhin befindet sich die Schule im Lichte des offentlichen Lebens und ein Stolpern kann jederzeit zur Aktivierung dieser Kräfte führen. Deshalb hat die Schule 2 strategische Ziele im Vordergrund:

    1. Feststellung und Beseitigung eigener Schwachpunkte, die als Ansatz  für die Angriffe und für die berechtigten Vorwürfe dienen können.

    2. Fertigstellung von Waldorfprogrammen, die wir unserem Bildungsministerium vorlegen möchten, um gezwungene Fälschungen (Unterricht nach unserem Programm, in den Unterlagen wird aber das staatliche Programm fixiert) zu vermeiden.

Die Schule braucht weitere Räume für Ihre Entwicklung:

  • Zunächst brauchen wir spezielle Räume für die heilpädagogischen Kinder, die einen speziellen Unterricht bekommen und insgesamt wenig Zeit mit der Klasse verbringen (siehe unten).
  • Als primäre pädagogische Notwendigkeit wird auch die Beschaffung und Ausrichtung von Räumen für den Handwerksunterricht betrachtet.
  • Ein Garten für die Gartenarbeit ist etwas, was auch von den Kindern sehr erwünscht ist.

Daraus folgt das nächste strategische Ziel der Schule:

    3. Erhaltung der neuen Räume und Schulterritorien für die Verwirklichung der genannten Ziele.

Die Schule kann jetzt nur in eine Richtung wachsen und zwar auf Kosten der staatlichen Schule, die an uns grenzt. Dies ist durch den folgenden Faktor gerechtfertigt: Der heutige Bürgermeister hat vor, 2-3 kleine Schulen (die dazu noch wenige Kinder haben) in eine große zu vereinigen, darunter auch diese uns benachbarte staatliche. Irgendwann, aber in absehbarer Zeit, ziehen sie von diesem Gebäude weg. Diese Situation müssen wir unbedingt ausnützen, um die uns nötigen Gelände und Räume zu erhalten.

Eine wichtige Veranstaltung

Obwohl unsere Schule heute nicht mehr vor der unmittelbaren Schließungsgefahr steht, um sich herum weitere Freunde, Sympathisanten sammelt und eine breitere Anerkennung in unserer konservativen Gesellschaft erhalten hat, müssen wir trotzdem immer wach bleiben und die “PR”-Arbeit mit der uns ungebenden Welt fortsetzen.

Im Rahmen dessen hat die Schule vor kurzem eine Veranstaltung unternommen, zu welcher auch die First Lady unseres Landes eingeladen war. Sie nahm unsere Einladung gerne an. Die Veranstaltung beinhaltete das Programm der Klasse 10, das sie bei ihrer Klassenreise in die Skandinavischen Länder mit einem großen Erfolg 19 mal aufgeführt haben. Im Programm waren: eine armenische Legende von H. Tumanyan eurythmisch dargestellt, eine Aufführung des Märchens von H. Ch. Andersen “Die Nachtigal”, nationale Tänze und Lieder.

Von den eingeladenen Personen nahmen an der Veranstaltung auch der Botschafter von Schweden in Armenien mit seiner Frau, der Botschafter der EU in Armenien, der Kulturattache der deutschen Botschaft teil.

Die Veranstaltung ist sehr gut gelaufen, alle, darunter auch die eingeladenen Gäste, waren zufrieden, die Kinder haben sich wirklich Mühe gegeben.

Andere wichtige Veranstaltung

Unsere Schule hat eine spezielle Schule für die Waisenkinder aus der zweitgrößten Stadt Armeniens – Gymri (richtige Bezeichnung Kumajri) – eingeladen. Eventuell übernehmen wir Patenschaft für diese Schule und machen unsere Verbindung dauerhaft. Sie sind mit 2 Schulbussen nach Eriwan gekommen und wurden unter den Lehrern und Kindern verteilt. Die 3 Tage, die sie hier verbracht haben, werden diese Waisenkinder sicher nicht schnell vergessen können. Man wollte für sie sogar das Unmögliche möglich machen – unsere Kinder, ihre Eltern und die Lehrer, bei denen diese Kinder lebten, haben diese 3 Tage nur für sie und mit ihnen gelebt. Einkäufe, Geschenke, Veranstaltungen, Spiele usw. haben das Programm des Tages völlig ausgefüllt. Um so schwieriger und rührender war der Abschied.

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                      Eine gemeinsame Aufführung

Sportsaal und neue Räume

Was uns wirklich sehr freut ist der neurenovierte Sportsaal. Endlich haben unsere Schüler einen vollständigen Sportunterricht.
Der Saal bringt der Schule auch Finanzen, weil wir ihn an die Sportsektionen vermieten.

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          Unser renovierter Sportsaal                                                        1. Klasse

Laufendes

Das Kollegium

Seitdem unsere Schule ihr Existenzrecht behauptet hat, befinden wir uns, wie schon früher berichtet wurde, in einem neuen Entwicklungsstadium.

Zunächst werden alle Arbeitsbereiche streng organisiert: wie z.B. dies oder jenes funktionieren soll, wer der Verantwortliche für dieses Bereich ist, welche Rechte und Pflichten er/sie hat, usw. Für viele, besonders für die Deutschen, kann manches nicht so wichtig oder gar übertrieben erscheinen. Für uns und für unsere Mentalität ist es schon zu einer prinzipiellen Frage geworden.

Die Arbeit geht schnell – mit diesen Fragen beschäftigt sich nicht die Konferenz, sondern der Schulführungskreis, dessen Mitglieder sich 2mal pro Woche, jeweils für 1.5 - 2 Stunden treffen – da haben sich aber so viele Fragen gesammelt/gestapelt, dass die Schnelligkeit einfach verschrieben ist. Im vorigen Monat wurden die Wahlen in diesem Kreis durchgeführt, wodurch er zum Teil erneuert wurde.

Klassenreisen

Es ist schon 7 Jahre ohne Unterbrechung, dass es uns gelingt, Klassenreisen nach Europa am Ende der Mittelstufe zu organisieren. Die Klassen fahren nicht einfach so, zum Spazieren, sie bereiten während des ganzen vorangegangenen Jahres ein großes Programm vor, das sie erfolgreich in verschiedenen Waldorfschulen von verschiedenen Ländern aufführen. Früher fanden wir Möglichkeit nur nach Deutschland zu fahren, heute ist das Areal unserer Reisen weit ausgebreitet. In diesem Sommer waren unsere Neuntklässler in Dänemark, Norwegen und Schweden. Nächstes Jahr fährt die heutige 9. Klasse eventuell wieder in die Skandinavischen Länder und nach Littauen.

Obwohl die Organisation dieser Reisen ziemlich kompliziert ist, viel Mühe, Kraft und Verantwortlichkeit erfordert, immer wieder finanzielle Probleme entstehen, weil es viele Eltern gibt, die die Reise nicht finanzieren können, finden trotzdem die meisten in der Schule, dass diese Reisen im pädagogischen Sinne wichtig sind. Sicher ist, dass unsere Kinder älter und reifer wirken, wenn sie von der Reise zurückkommen. Wie auch immer, die Bilder sprechen für sich selbst.

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    In der Waldorfschule von Kopenhagen                                       Mit der norwegischen Waldorfjugend

Heilpädagogik

Es bildet sich in der Schule eine ernste heilpädagogische Gruppe, weil der Strom solcher Kinder, die einen besonderen Umgang bedürfen, mit jedem Jahr wächst. Die Anzahl der heilpädagoschischen Kinder wächst so schnell, dass die Schule vor der Frage steht, ob sie auch weiter solche Kinder ohne weiteres aufnehmen soll, oder diese Frage eine andere Lösung braucht. Auf jeden Fall ist eines klar, dass einerseits die Schule die Anzahl dieser Kinder in jeder Klasse begrenzen muss, weil sich dadurch ungerecht eine falsche Meinung über die Waldorfschulen (z.B. als eine Schule für die Dumme/Behinderte), verstärken kann. Andersseits stellt unsere Gesellschaft vor der Schule eine neue Aufgabe, die im Rahmen nur einer integrativen Pädagogik nicht gelöst werden kann.

Im Moment wird aktiv debattiert, in welcher Form sich die Heilpädagogik in der Schule entwickeln und ob daraus eine einzelne selbständige Initiative entstehen soll oder ob sich auch weiter im Rahmen der Schule eine integrative Komponente entwickeln soll.

Es sei hier auch betont, dass die Arbeit der heilpädagogischen Gruppe sehr effizient ist, diese Kinder zeigen einen offensichtlichen Fortschritt, und alle sind sich darüber einig, dass diese Arbeit generell fortgesetzt werden muss.

Mensa

Man kann sagen, dass unser Mensaprojekt geklappt hat: unsere Mensa funktioniert insgesamt sehr gut. Die letzte Neuigkeit: seit September haben einige unserer Absolventen den Betrieb unserer Mensa übernommen. Dadurch hat sich vieles geändert – vor allem die Athmosphäre im Buffet: sie wurde heiterer und fröhlicher, die Ausgestaltung des Raumes fantasievoller.

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              Mensa

Finanzielles

Die finanzielle Situation in der Schule bleibt immer noch gespannt, obwohl sich eine Verbesserungstendenz, die ich in früheren Berichten beschrieben habe, allmählich geltend macht. Die Klassen, die jetzt kommen, zahlen insgesamt viel besser, als die Schüler der Abschlussklassen, deren Schüler noch in die staatliche Waldorfschule kamen.

Trotz der Krise haben wir die Arbeit mit den Eltern fortgesetzt. Dank dieser Arbeit und der obengenannten Tendenz wächst der Anteil der Elternbeträge im Budget der Schule.

Dadurch vermindert sich auch die Lücke im Budget, natürlich aber nicht so schnell. Da der durchschnittliche Lohn unserer Lehrer nur 130 Euro/Monat beträgt (bei Klassenlehrern schwankt er zwischen 160 und 224 Euro), hat man mit den neuen Mitteln nicht nur die Lücke gestopft, sondern auch die Löhne der Klassenlehrer erhöht. Das reicht allerdings lange nicht sogar für ein bescheidenes Leben aus. Die Lücke im Budget hat sich von 2.130 Euro/Monat im letzen Schuljahr auf 1.700 reduziert.

Wir unternehmen manches, um die Situation zu retten. Heute erhält die Schule ca. 1.000 Euro (diese Summe schwankt immer) pro Monat von verschiedenen kleinen Projekten, darunter von der Mensa, einem kleinen Schulladen am Eingang, Fotolabor, Kopierer, Waldorfseminar, Abiturarbeit, Hort und vor allem von dem Sportsaal.

Wir sind auf der Suche nach neuen Projekten, die die Schule aus der finanziellen Enge herausführen könnten.
 

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